Lodwar 2006

Mt. Longonot Rift Valley

Mt. Longonot Rift Valley

Lodwar – wo liegt Lodwar? Obwohl wir in Kenia gelebt haben und manchen Ort kennen, den man in keinem Reisebüro buchen kann, ist uns dieser Ort unbekannt. Lodwar liegt im Nordwesten Kenias in der Turkana schrieb Markus in seiner E-Mail. Ich nahm meine Karte und wurde sofort fündig. Kein Wunder denn die Turkana-Region, so groß wie die fünf neuen Bundesländer, besitzt nur drei, vier nennenswerte Orte und Lodwar ist der größte.
Kenia Überblick Das Lodwar die Hauptstadt der Turkana ist und die Ziegen hier Papier fressen, da man Büsche und Gras in der Trockenzeit hier vergebens sucht, entnahmen wir unserem Reiseführer, auf den wir uns in Kenia stets verlassen hatten. Die Beschreibung der Region klang im ersten Moment nicht sehr verlockend, obwohl der mit 6.500 km² größte See Kenias, der Lake Turkana (zum Vergleich: Müritz 117 km²), hier zu finden ist.
Wir suchen einen IT-Trainer, schrieb Markus weiter, der im Rahmen eines humanitären Hilfsprojektes der Firma Cisco und „Close-the-gap“ einen IT-Essential Kurs für künftige IT-Trainer in Kenia durchführt. Es gibt kein Honorar, aber Reisekosten sowie Unterkunft und Verpflegung für die Zeit des Trainings werden übernommen.

Ich klickte auf den Antwort-Button: Markus, du hast deinen Trainer gefunden.

Äquator
14 Waterfalls near Thika Wir haben 2002/03 in Nairobi, der Hauptstadt Kenias gelebt und dort die Schönheit der Natur Afrikas, wilde Tiere in unglaublicher Landschaft, farben­prächtige Bäume und Pflanzen, freundliche Menschen aber auch die unbeschreibliche Armut, Not und Elend, Slums und Straßenkinder ohne Zukunft kennen gelernt. Zwei Seiten dieses so widersprüchlichen Kontinents und wir hatten die eigene Ohnmacht gespürt, kaum etwas an der allgegenwärtigen Armut ändern zu können.
Aber jetzt bot sich die Möglichkeit nicht nur Geld für einen guten Zweck zu spenden, sondern selbst Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Feed a hungry man today and he will be hungry tomorrow.“ Leider müssen sich manch gut gemeinte Hilfsaktionen daran messen lassen. Aber Bildung an künftige Lehrer zu vermitteln und damit eine Bildungsinitiative anzustoßen, dass war die Möglichkeit aktive Hilfe in dem Land zu leisten, das uns noch heute am Herzen liegt und dessen Entwicklung wir nahezu täglich verfolgen. Schulkind
Computer angekommen Trotzdem dauerte es noch Monate bis Antonio, unser spanische Kollege und Initiator, signalisierte, dass die Computer ihr Ziel erreicht haben. Ihm war das logistische Meisterstück gelungen 20 Pentium III Computer, die der Verein „Close the gap“ von belgischen Firmen erhalten hatte, ans „Ende der Welt“, nach Lodwar zu senden. Auch eine Grundausstattung an Werk­zeugen, Kabeln, USV konnte er in Nairobi ordern und auf den Weg bringen.
Eines war von Anfang an klar. Es gibt kein Internet in Lodwar und Strom ist auch nicht ständig verfügbar. Ein IT-Kurs in dem die Installation von Hard- und Software eine zentrale Rolle spielt mit unbekannter Hardware und ohne Internetzugang durchzuführen, das ist eine echte Herausforderung. Welche Treiber nimmt man sicherheitshalber mit? Welche Softwaretools sind hilfreich? Wo bekommt man die englischen Versionen her? Meine deutschen Programme sind dort wenig hilfreich.
Dann noch ein englischsprachiges Handbuch zum PC upgrading, einen Brenner, ein DVD-Laufwerk, Switch für ein kleines Netzwerk, eine Festplatte, eine Spindel Rohlinge, Disketten, einige Gastgeschenke alles verpackt, gewogen und schockiert über die 90 kg Gesamtgewicht, eindeutig zuviel für den Flieger.
Hier kommt zum ersten Mal unsere Afrikaerfahrung ins Spiel, denn nach einigen Telefonaten von Brit mit der Fluggesellschaft (die ausdrücklich nicht genannt werden möchte), dürfen wir einige Kilogramm Extragepäck mitnehmen, so dass wir nichts wieder auspacken müssen.
Teacher Jan

Donation of uniforms and shoes

Donation of uniforms and shoes

In Nairobi angekommen, hatten wir die Möglichkeit gemeinsam mit Vertreterinnen der East African Women League, eine Schule am Rande eines Slums zu besuchen. Der Besuch einer Grundschule ist unter der neuen Regierung von Präsident Kibaki, seit dem Regierungswechsel 2002, kostenlos. Trotzdem sind Schulmaterialien wie Bücher, Hefte und Stifte und besonders die notwendigen Schuluniformen für viele Familien kaum erschwinglich. Der gesetzlich festgelegte Mindestlohn in Kenia liegt bei 3500 Kenia Schillingen (ca. 50 Euro) im Monat.
Die Bedürftigsten unter den Schülern erhielten heute neue Uniformen und Schuhe. neue Schuluniformen
Trotz einfacher Küchenverhältnisse erhalten die Schüler eine warme Mahlzeit am Tag. Schulküche
Cesna Vor dem Weiterflug reduzieren wir unsere Ausrüstung, aber trotzdem bleiben 20 kg Übergepäck. Diesmal können wir nicht verhandeln. Die MAF, die uns nach Lodwar fliegen will, misst sogar unser Körpergewicht. Über meinen Einwand, dass meine Frau 30 kg leichter ist als ich, können die Angestellten zwar lachen, es nützt aber nichts. Eine Tasche muss mit dem Bus nach Lodwar gebracht werden.


Als wir unsere Maschine sahen, war uns sofort klar warum hier um jedes Kilogramm gefeilscht wurde. Es war eine kleine Cesnar für vier Passagiere. Das Abenteuer Afrika sollte um eine Air-Safari reicher werden.
Da die Cesnar nicht sehr hoch flog, konnte ich einige interessante Luftaufnahmen machen, von Plätzen, die wir früher schon besucht hatten. Da war der Nairobi Nationalpark, die Ngong Berge, das Rift Valley mit dem Mount Longonot, einem der zahlreichen erloschenen Vulkane im afrikanischen Graben, den wir vor drei Jahren bestiegen hatten, Lake Naivasha mit den gigantischen Gewächshaus­anlagen. Achtzig Prozent aller Rosen, die über Holland nach Deutschland verkauft werden, kommen aus Ostafrika. Mt Longonot aus der Luft
Dessert Dann wird die Gegend karger und ähnelt immer mehr einer Wüste. Erstaunlich, die wenigen Bäume markieren die ausgetrockneten Flussläufe und vereinzelt tauchen einige kreisrunde Gebilde auf. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir eine Blätterhütte, die typischen Häuser der Turkana, um­randet von einer trockenen Dornenhecke.
Jedes Familienmitglied hat seine eigene Hütte. Die des Mannes steht im Zentrum, seine Frauen leben mit den Kindern in den kleineren Hütten daneben.
Sofort schießen mir einige Fragen durch den Kopf. Warum leben Menschen in dieser unwirtlichen Gegend? Wie weit ist es bis zur nächsten Wasserstelle? Wovon leben die Menschen hier, ja und was fressen eigentlich ihre Ziegen?
Die Hitze im Flugzeug wird langsam unangenehm, obwohl der Lüfter auf vollen Touren läuft. Endlich, nach zwei Stunden Flug taucht eine Ansammlung von Häusern mit Wellblechdächern auf. Ein Fluss, diesmal gefüllt mit braunem Wasser, fließt durch die Siedlung. Schwarze Hügel ragen aus dem Wüstensand, wie aus dem Nichts dort hingesetzt. Unter uns tauchen einige grüne Dächer auf, eine Kirche, ein Glockenturm und dann setzt unsere Cesnar zur Landung an. Die Türen öffnen sich und die afrikanische Hitze schlägt uns ins Gesicht, wir sind da. Anflug Lodwar
Tim und Brit Ich mache noch schnell ein Foto von unserem Flugzeug und dann nimmt uns Tim in Empfang. Tim, der Ire,
der für eine NGO (Non-Governmental-Organization) in Lodwar gearbeitet hat und später hierher zurück gekehrt ist, um das Jugendzentrum zu leiten. Er ist der Erste von vielen interessanten Menschen die wir hier in „the middle of nowhere“ kennen lernen sollten. Menschen, die sich entschlossen haben, einen Teil ihres Lebens hier zu verbringen, um mit ihrer Arbeit auch diesen Flecken Erde etwas lebenswerter zu machen.
Tim brachte uns zu unserem Makutihaus. Das Gästehaus der Mission mit Dusche und WC. Für diese Gegend nahezu luxuriös. Es übertraf alle unsere Erwartungen und machte uns den Aufenthalt hier sehr erträglich.
Wir stellten unser Gepäck ab und gingen mit Tim zum Lokiriama, dem Jugend­zentrum, wo wir von unseren acht Studenten unter denen auch drei Frauen waren, bereits erwartet wurden. Da in Kenia Frauen nicht immer gleichberechtigt Zugang zu Bildung haben, waren wir sehr erfreut, dass unsere Gruppe gemischt war und unter unseren Studenten ein sehr freundschaftliches Verhältnis herrschte.
unser Makutihaus
Georgeous and Mary are cleaning Jan the supervisor
Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft. Das wurde uns von allen Teilnehmern immer wieder bestätigt. Alle waren voll bei der Sache und haben sich intensiv mit der unbekannten Thematik beschäftigt. Es galt mehrere Tests zu bestehen und einzelne Themen so aufzubereiten, dass man in die Rolle des Lehrers schlüpfen und den anderen Teilnehmern eine Thematik erklären kann.

Nach zwei Wochen konnten alle glücklich ihre Zertifikate in Empfang nehmen.

Der Start ist gelungen, jetzt gilt es am Ball zu bleiben. Wenn zwischen Trainern und Studenten mehrere tausend Kilometer liegen, dann ist eLearning der einzige Weg.

Aber eLearning heißt Internet!?

Roslyn gets the certificate
classfoto
looking back
Back to wilson airport
Dann hieß es Abschied nehmen, aber es wird keine Trennung von Dauer sein. Wir kommen wieder und setzen fort, was wir begonnen haben.
Die nächsten Vorhaben des abacus e.V.

  • Installation eines satellitengestützen Internetzugangs in Lodwar
  • Aufbau eines Schulungsnetzwerkes
  • Abschluss des Kurses und Vorbereitung der Teilnehmer auf die international anerkannte Prüfung zum „IT-Essential-Instructor“
  • Installation eines Generator
  • Einrichtung eines Computerlabors für die örtliche Schule
Wenn Sie diese Aktivitäten unterstützen möchten, dann überweisen Sie bitte eine Spende mit dem Stichwort „Computerschule Kenia“ an den abacus e.V.

KontoNr.: 5940655

BLZ: 13070024

Deutsche Bank Rostock

Der Verein ist gemeinnützig tätig und kann eine entsprechende Spenden­bescheinigung ausstellen.

Dr. Jan Hartmann

Vorsitzender

Der vollständige Reisebericht Lodwar 2006kann als pdf-Dokument geladen werden.

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